Ein hoher Gast beim Neujahrsempfang

Einen eindringlichen Appell für ein einiges Europa richtete Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles beim überparteilichen Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins Niederzissen an ihre Zuhörer. „Angesichts der Ereignisse des Vorjahres ist es mein Wunsch, dass es uns gelingt, den Zusammenhalt in Europa wieder zu stärken“, sagte die aus Weiler in der Eifel stammende Politikerin.  Um in bildlicher Sprache hinzuzufügen: „Europa ist nicht gut beraten, wenn auf jedem kleinen Misthaufen ein anderer Gockel kräht.“

Neujahrsessen 2017Den Wahlen in diesem Jahr komme deswegen eine hohe Bedeutung zu –  insbesondere natürlich auch denen in Frankreich. „Es geht in Europa auch um unsere Demokratie. Hoffentlich bleiben die Regierungen frei von Extremisten“, wünscht sich die Ministerin. „Denn wir haben eine leistungsstarke Wirtschaft und eine funktionierende Demokratie, und dieser Werte sollten wir uns bewusst sein.“ 2016 sei in Großbritannien und in den USA klar geworden, dass jede Stimme zählt. Mit Blick auf die anschließenden Proteste hüben wie drüben fragte sie: „Was nützt es, am nächsten Tag darüber zu jammern, was die anderen entschieden haben?“ Vielmehr müsse man sich fragen, warum nur 30 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gingen.

„Das war Moll, und jetzt kommt nur noch Dur“, leitete Andrea Nahles den erfreulicheren Themenkomplex ein. Die deutsche Regierung leiste gute Arbeit, die Arbeitslosigkeit liege beispielsweise im Kreis Ahrweiler unter fünf Prozent. Die von Finanzminister Wolfgang Schäuble geforderte Erhöhung des Rentenalters hält sie jedoch für falsch. „Für mich ist die Flexi-Rente der richtige Ansatz – für diejenigen, die sich noch fit fühlen.“ Andrea Nahles ist überzeugt, dass Deutschland sehr gute Chancen hat, die neue Welle der Technisierung zu meistern. Denn Deutschland liefere Produkte und Dienstleistungen, die in vielen Ländern nachgefragt werden. Für die Zukunft sei aber ein flächendeckender Breitbandausbau von enormer Bedeutung: „Der ist ungeheuer wichtig, wenn wir nicht abgehängt werden wollen.“

Geradezu lustig findet die Ministerin in heutiger Betrachtung zwei Titelseiten des Magazins Spiegel aus den Jahren 1964 und 1978. „Fortschritt macht arbeitslos“, hieß es damals im Zusammenhang mit dem beginnenden Einzug von Robotern und Computern in die Arbeitswelt. Die darauf folgenden Jahrzehnte haben die Spiegel-Prognose eindrucksvoll widerlegt. „Denn wir hatten noch nie so viele Menschen in Arbeit wie heute.“

Dennoch gelte es, eine Frage zu beantworten: „Wie können wir die Arbeit der Zukunft angehen?“ Wie es funktionieren kann, hat sie beim Besuch einer Start-Up-Firma erfahren, wo Modelle, die früher von Menschen geformt wurden, jetzt einem 3D-Drucker entstammen. „Was ist mit den Leuten passiert, die vorher für die Modellgestaltung zuständig waren?“, sei ihre spontane Frage gewesen. Die Antwort: Diese hochqualifizierten Fachleute hätten in der Firma andere anspruchsvolle Aufgaben übernommen. Die Folgerung der Ministerin: „Wir erleben heutzutage nicht das Ende der Arbeit. Vielmehr erleben wir die andere Arbeit. Und die gilt es bei den Hörnern zu packen.“ Mit ihrem Applaus dokumentierten die Gäste in der Ratsschenke breite Zustimmung für das Gehörte.
    
Für den SPD-Ortsverein sei es eine große Ehre, ein Mitglied der Bundesregierung in Niederzissen begrüßen zu dürfen, sagte OV-Vorsitzende Ute Durwish zu Beginn des Empfangs. „Besonders freue ich mich darüber, dass alle Parteien heute bei uns vertreten sind“, ergänzte sie. Zu den Gästen zählten neben einigen Ortsbürgermeistern, Beigeordneten, Fraktions- und Verwaltungsvertretern auch VG-Bürgermeister Johannes Bell, Heinz-Wilhelm Schaumann, der Vorsitzende des VdK-Kreisverbandes, Emil Morsch, Gründer der Stefan-Morsch-Stiftung für Leukämie- und Tumorkranke, Hans-Ludwig Falckenberg vom Seniorentreff Niederzissen sowie SPD-Kreisvorsitzender Marcel Hürter. Dank sagte Ute Durwish ihrem Parteikollegen Jens Schäfer für dessen Unterstützung bei der Organisation der Veranstaltung.

Bild: Über Europapolitik, den deutschen Arbeitsmarkt und dessen künftige Ausrichtung sprach Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles beim Neujahrsempfang des SPD-Ortsvereins Niederzissen.

Foto: ©Hans-Willi Kempenich
Text: ©Hans-Willi Kempenich

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Veröffentlicht: Mittwoch, 25. Januar 2017 16:59
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